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Digitalisierung: „Der persönliche Austausch fehlt“

By owc Redaktion on 03/10/2021
Dr. Heike Uhlig bei der Eröffnung des Deutschlandjahres in Russland 2020/21 am 26. September 2020. / Foto: Goethe-Instituts Moskau

Im Interview spricht Dr. Heike Uhlig, Leiterin des Goethe-Instituts-Moskau, über die Folgen der Corona-Pandemie für Ihre Organisation und die „konsequente Digitalisierung“ des Sprachunterrichts.

Frau Dr. Uhlig, die Sprachkurse des Goethe-Instituts gelten unter ihresgleichen als Premium-Produkte. Viele halten die Goethe-Institute gar für die besten Botschafter Deutschlands im Ausland. Wie sehr wurde Ihre Arbeit von der Corona-Krise beeinflusst?

Im März 2020 mussten wir im Prinzip innerhalb von ein bis zwei Wochen die gesamte Arbeit der Goethe-Institute in Russland in den digitalen Raum verlegen. Unser Vorteil war, dass wir glücklicherweise bereits vielfältige Erfahrungen mit digitalen Projekten hatten, auf die wir aufbauen konnten. Das betrifft u. a. unsere Sprachkurse. Schon vor Beginn der Pandemiehaben wir diese sowohl offline als auch online durchgeführt, haben Fortbildungen für unsere eigenen Lehrkräfte, aber auch für Deutschlehrer*innen an russischen Schulen, online angeboten. Neu war im März allerdings die Tatsache, dass plötzlich komplett alles online stattfinden musste. Die Gebäude der Goethe-Institute in Russland waren schlicht und einfach nicht mehr zugänglich und für ein Vierteljahr fanden tatsächlich keine Präsenzveranstaltungen statt.

Natürlich hat das Goethe-Institut weiter Deutsch gelehrt: Hatten Sie mit spürbaren Rückgängen bei Sprachkursteilnehmer*innen zu kämpfen?

Es gab keinen dramatischen Rückgang, weil viele unserer Kunden auch in Pandemiezeiten weiter lernen wollten und sich schnell auf die neuen Bedingungen eigestellten. Lediglich im Sommer gab es eine kleine Delle, was aber in erster Linie daran lag, dass die Menschen nach Monaten der Selbstisolation und ständigen Onlinekonferenzen einfach müde wurden. Wenn man die bloßen Zahlen zugrunde legt, so hatten wir im Vergleich zum Jahr 2019 rund 16 Prozent weniger Kursteilnehmer*innen. Dies ist zwar ein signifikanter Rückgang, aber nicht dramatisch.

Ein bisschen anders stellte sich die Situation bei den Sprachprüfungen dar, die auch auf dem Höhepunkt der Pandemie „in persona“ stattfinden mussten. Wir können leider keine Zertifikate ausstellen, die auf reinen Online-Prüfungsverfahren beruhen. Letztendlich mussten wir möglichst viele Prüfungen im Herbst nachholen, als die Präsenz im Goethe-Institut wieder möglich war. Aber natürlich konnte der Rückgang nicht komplett kompensiert werden.

Für das Jahr 2021 kündigte Ihr Generalsekretär Johannes Ebert eine „weitere konsequente Digitalisierung“ an. Wie stark hat die Nachfrage nach digitalen Kursen zugenommen? Wird der Spracherwerb in Zukunft verstärkt im Online-Format stattfinden?

Ich glaube, dass für die Kursteilnehmer*innen ein direkter Austausch mit den Lehrkräften nach wie vor sehr wichtig ist. Deshalb werden wir uns im Sprachlernbereich weniger auf den einsamen Lerner vor dem Handy konzentrieren, der individuell vor sich hin übt und nur selten mit einem Lehrer Kontakt hat. Vielmehr wird der Austausch in der Gruppe auch zukünftig wichtig bleiben. Das kann durchaus auch virtuell realisiert werden oder auch im Wechsel von online und Präsenzphasen, sogenanntem Blended Learning. Was ich mir also gut vorstellen kann, ist ein gesunder Mix aus Online- und Offline-Elementen. Ein großer Vorteil von virtuellen Kursen ist natürlich die Flexibilität, was Zeit und Ort angeht. Dadurch kann eine viel größere Reichweite generiert werden.

Zum Beispiel konnte bislang niemand aus der Stadt Kaluga an unseren Moskauer Kursen teilnehmen – jetzt ist dies problemlos möglich. Wir werden die Erfahrungen, die wir in der Pandemie gemacht haben, nutzen und unser Angebot entsprechend ausbauen. Wie gesagt, man muss eine Balance finden und die werden wir finden.

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